Entscheidend

Wir gehen links, wir gehen rechts, wir wählen dies, wir wählen das, wir schauen hier und dort, steigen hoch und fallen tief oder umgekehrt und leben stets und ständig in dem Spiel des Lebens, tauchen ein in das Meer aller Möglichkeiten und meinen oft, wenn wir etwas gefunden haben und etwas für uns selbst erkannt, sei dies das einzig und alleinig Wahre und Echte. Ich fand es schon als Kind unsinnig, nur einen Standpunkt zu betrachten. Ich hinterfragte Blickwinkel, um etwas in seiner Ganzheit zu sehen und zu erfühlen. Ich hatte stets den Impuls, weiter hinter dem Scheinbaren zu forschen und andere Sichtweisen zu erfahren, die sich zu einer zufriedenstellenden Antwort zusammenfügten.

Ich möchte immer alles sehen und einbeziehen. Ich begeisterte mich als Kind für Diversität und Differenziertheit und konnte mich für so mannigfaltige Dinge begeistern. In allem gibt es so viel Zauber und Schönes zu entdecken. Ein jedes lockt mit seiner Einzigartigkeit und doch liegen auf dem Weg eines jeden Entscheidungen, die es zu treffen gilt. Wenn man sie nicht trifft, so ist auch dies eine Entscheidung für etwas anderes. Man lässt von anderen entscheiden. Meist entscheiden wir selbst dies und jenes, stellen uns auf diese oder jene Seite und wählen diese oder jene Schublade unserer Interpretationen und sortieren Weltbilder ein wie Unterwäsche. Dies trennt uns voneinander – wenn wir so entscheiden. 

Ich schreibe über Entscheidungsfindung und dem Treffen von Entscheidungen, weil es mich gerade sehr beschäftigt und mich fasziniert, was Entscheidungen mit mir machen und ich mit ihnen. Gerade bin ich an dem Ort, den ich kürzlich verließ, um ein neues Zuhause zu finden. Ich fühle mich wohl und friedvoll in der Natur und der Stille um mich, der Wildheit und dem Zauber, der hier aus allen Pflanzen hervor sprießt. Ich schreite über das Land und sehe die Bäume und Sträucher austreiben, die ich einst pflanzte. Sie sind prächtig. Ich gehe barfuß auf dem mir vertrauten Boden und entdecke die Katzenbabys unserer Glückskatze (ach du meine Güte, sind die niedlich!). Ich schreite nackt über die Wildpferdeweide, baue zwei Bohnentipis und genieße diese Einfachheit und Leichtigkeit, die hier mitschwingt und uns alle durchfährt.

Warum bin ich hierher von der Reise zurück gekehrt? Wir sind zu einer Gemeinschaft eingeladen worden und es gab einige Erledigungen vor Ort zu tun und mich hat es gerufen, diesen Schritt zu tun (siehe Blogeintrag Ich will nach Hause). So sitze ich also zwei Tage vor der Abfahrt nach Süddeutschland, wo die Fahrräder stehen und warten und wir ebenfalls zu einer Gemeinschaft eingeladen worden sind, auf der Wiese und frage mich, was ich tun soll. Ich fühle mich wohl hier und der Vater der Mädchen streut Zweifel in mir. Ängste kommen auf.

Warum weggehen, wenn es hier so schön ist? Warum nicht den Dingen stellen, die mich hier wegtrieben? Begegnen sie mir nicht auch woanders und lasse ich mich dann stets von etwas wegtreiben, wenn ich mich dem nicht stelle und bereit bin zu begegnen? Es schwirren Fragen über Fragen durch meinen Kopf und auf eine lange Zugfahrt habe ich keine Lust. Ich bin drauf und dran einfach hier zu bleiben, doch dann tauchen neue Fragen auf.

So dümple ich hin und her und wäge ab, bin uneins und fühle mich zerissen. Ich spreche mit André und allein zu benennen, was mich bewegt und beschäftigt bringt Klarheit und Lösung. Es gibt kein Richtig und Falsch, ich lasse alles aus dem Kopf los und erkenne, dass ich ganz bei dem bleiben will, was mein Herz mir sagt. Was ich fühle! Und schon habe ich Kraft für eine bevorstehende Zugreise und freue mich sogar darauf. Ich darf fühlen. Es gibt keinen richtigen Moment, sondern nur den Moment, in dem ich es tue! Es passt genau dann, wenn ich es tue! 

Unsere Zeit bei der Gemeinschaft war sehr eindrücklich und schön. Es war ein paradiesischer Ort für kleine Kinderwesen, einfach verspielt und voll Offenheit für Kinder und deren Bedürfnisse. Dieser Ort sagte so sehr ja zu allem kindlichen und überall fanden sich wilde Spielplätze, Krabbelröhren, Schaukeln und ein jedes Plätzchen wurde hier für Kinder einladend gestaltet und auch von Ihnen bespielt. Eine große Kinderschar versammelte sich und die Energie war so herzlich, dass unsere Kinder sogleich mit eingespannt waren.

Ich kenne meine Kinder als sehr offene und zugängliche Wesen, die voll Vertrauen auf andere zugehen. Sie haben bereits oft bei anderen Kindern erlebt, dass sie eher zurückhaltend und schüchtern sind und erst einmal eine Weile brauchen, um warm zu werden und ersten Kontakt aufzubauen (das kenne ich auch von mir). Doch hier sind die Kinder offen und spielen alle miteinander. Die Kindergruppe ist von 2- 14 Jahre und keiner wird ausgeschlossen. Wir erleben eine gute Zeit, jedoch sehr kurz. Ich mag gerne noch bleiben und fühle mich sehr angezogen, wenn auch einige Dinge nicht als Lebensort in Frage kommen und fehlen: ein Raum für Erwachsene beispielsweise oder Platz für einen eigenen Garten. Der Stellplatz der frei wird liegt uns zu sehr mittendrin im Trubel (direkt neben dem großen Gemeinschaftsspielplatz und Mittelpunkt des Ortes). Wir könnten uns jedoch vorstellen in der unmittelbaren Nähe nach einer Wohnung oder einem Haus zu sehen. Dieser Besuch hier war ein Geschenk und ich bin so dankbar mit André und den Kindern so vielfältige Erfahrungen zu machen. Es ist so facettenreich und wir lernen uns auf so viele Weisen kennen. 

Eine Frau aus der Gemeinschaft sagt zu uns, man erkenne, dass wir eine noch sehr frische und junge Beziehung führen, daran, dass wir sehr zart miteinander sind. Sie sagt, dies sei so schön und abschauenswert. Ich fühle mich geschmeichelt, denn dass André und ich eine besondere und wirkungsvolle Ausstrahlung zusammen haben, ist mir sehr bewusst und uns bereits von vielerlei Seiten gesagt worden. Ich habe jedoch vor auch in 70 Jahren noch so zart und fein mit ihm zu sein und mache dies nicht abhängig von der Dauer unseres Zusammenseins. Auch dies ist eine Entscheidung, die ich jeden Tag neu treffen kann und will. 

Am ersten Abend sitzen wir alle zusammen, ein Lagerfeuer brennt, die Kinder spielen und wir philosophieren und quatschen. Ich frage mich, ob ich aus diesem System aussteige und den Weg der Souveränität gehe oder nicht und wenn ja wie und wann. Darüber tauschen wir uns viel und intensiv in der Gruppe aus. Mir wird erneut bewusst: Ich bleibe bei dem, was mein Herz mir sagt und begegne allem in und aus Friede und Liebe. Wenn ich irgendeinem System Groll, Argwohn oder anderes entgegen bringe, so nähre ich es nur.

(Das) System steht nicht über uns. Überall um mich sind Menschen, die über dem System stehen – alle mit ihrer Entscheidungsfähigkeit und von Mensch zu Mensch ist alles möglich. Da öffnen sich Türen und wir schauen einander in unsere ureigenen Universen und inneren Welten. Je nachdem, wie ich selbst ausgerichtet bin, wie stabil ich selbst gerade in mir bin, kann ich mit diesem Menschen mich ausrichten auf Schöpfung oder eben Kleinhalten durch Muster, die mir sagen, ich genüge nicht. Ich entspreche diesen Mustern nicht, doch ich kann entscheiden, diese zu nähren und zu glauben. Ich kann ebenso anders entscheiden.

Welch eine Macht uns inneliegt, dadurch, dass wir entscheiden dürfen. Gott gab uns den freien Willen, Eigenermächtigung und Schöpferkraft. Welch ein Geschenk! Welch Fülle!
Wir dürfen wählen.
Wir können alles schaffen, was wir wollen – ALLes.

Auch dein Nichtentscheiden ist eine Entscheidung. Zu was auch immer. Zu mehr Unbewusstheit, Stagnation, what ever. Anteilig liegt dies in uns allen. Nichts wächst permanent oder fließt ohne Unterlass. Es gibt auch den Winter, der den Rückzug aller Lebendigkeit bedeutet, die sonst ungezügelt das ganze Jahr über sprießt und sich offenbart. Es gibt das Bluten einer Frau neben ihrer Empfänglichkeit. Es gibt Bewegung und Ruhe. Es gibt sprudelnde Quellen und Bäche und stille, tiefe Ozeane und Seen. Und sie sind alle eins und verbunden. Der Ozean käme nicht auf die Idee seine Quelle zu leugnen und die Quelle nicht den Ozean.

Nichts davon gilt es zu bewerten – es sei denn, es ist deine Wahl, dies zu tun. Macht uns nicht gerade die Diversität, die wir im Wechselspiel von allem, was ist, erleben, innerlich reich und göttlich? Dass wir hoch und tief, weit und kurz, groß und klein, hell und dunkel genießen können? Dass wir nicht ertrinken in der Trostlosigkeit des Einseitigem? Die Einseitigkeit, die wir nicht einmal erkennen könnten, wenn es sie gäbe, weil wir anderes nicht kennen würden. In dir liegt alles – du kannst jeden Augenblick entscheiden.

Uns wurde vor unserer Reise etwas offenbart oder prophezeit. Es ging dabei um etwas Entscheidendes. Davon schreibe ich ein anderes mal, denn dies haben wir bisher nicht wahrgenommen, also geht unsere Reise weiter.

Das Entscheidende sind wir! Das Entscheidende bist du!!!

Entscheidend ist, was in dir liegt. Du entscheidest in jedem Augenblick deines Daseins, was du leben willst, erfahren magst, wo du dich verschileßt und wo du dich öffnest, wie du etwas siehst und wie du dich dazu verhältst.

Herzerfüllte Grüße 

Anna-Verena 

(Schau mal Bild 5 in der Galerie unter diesem Beitrag: Ich wünschte, auf meiner Reise, eine Schlange zu sehen; und dann offenbarte sich diese Lichtschlange. Für mich im Wolkengebilde deutlich erkennbar eine Schlange aus Licht.)

Geteilte Pfade (Schattenweber, Silva Löwenthal)

Lausche dem Rauschen der Blätter und der Zweige. Lausche dem Rauschen der ururalten Weise.

Sturmwind spielt dein altes Lied in den Trauerweiden und Zeit ist’s nun, den Weg zu wählen, vereint oder zu scheiden. 

Der Weg sich teilt nach Nord und Ost, zur Stadt hin und zu See. Zur Stadt will nimmermehr zurück tut scheiden noch so weh!

Die Stadt werd´ nimmermehr ich wähl´n, ihr grau bracht mir nur Leiden. Mit dem Winde will ich zieh´n er ruft nach uns, uns beiden!