Bei der Rückfahrt, einer meiner vielen Radtouren, zog sich ganz plötzlich und rasant der Himmel zu. Ein Wind kam auf. Es lag ein Fahrweg von 8 Kilometern vor mir bis zu meinem Ziel. Ich fühlte den Wind und in der Luft lag der leichte und frische Geruch von Regen. Aber noch war es nicht soweit. Der anfänglich leicht gräuliche Himmel verdunkelte sich jedoch rasch und die Wolken türmten sich hoch auf, doch noch immer gaben Sie keinen Regentropfen frei.

Ich sagte mir innerlich, dass ich es noch trocken nach Hause schaffen würde. Der bereits heftig brausende Wind, als auch die dunkle Wolkenwand in meinem Rücken, verhießen etwas anderes und grollten als seien sie anderer Ansicht. Noch sechs Kilometer. Ich begann ein Loblied an das heraufziehende Gewitter zu singen. Erst nur ganz leise und fast nur in Gedanken, dann Immer lauter und schließlich, um das tosen des Windes zu übertönen, richtig laut. Ich sang Zeilen und Worte des Lobes und Dankes an die bevorstehenden Regengüsse und dass es Ihnen noch nicht an der Zeit sei sich zu ergießen. Ich besang den Wind und die Wolken und radelte beschwingt und voller Freude weiter und weiter. Es lagen noch vier Kilometer vor mir.

Es war bereits ganz finster geworden und am Himmel bauten sich die Wolken weiter auf, aber es war eine seltsame Stille in all dies eingekehrt. Wie bei einem Luftanhalten vor dem Sprung. Ich sang noch immer. Es war längst an der Zeit zu regnen. Ich spürte eine seltsame Anspannung in der Luft und doch offenbarte ich weiter mit meinem Gesang, dass ich trocken nach Hause käme und um mich herum schien Alles still zu stehen. Zwei Kilometer noch. Ich bog nun von dem Radweg nach links ab, auf das letzte Stück am Deich entlang, welches mich an den weiten und offenen Auen des Elbtals entlang führte. Hier bot sich mir ein fantastischer und unsagbar schöner Anblick: Über den gesamten, weiten Auen sah ich das, was sich zuvor hinter mir aufgebaut hatte. Dunkel und schwer lagen die hochgetürmten Wolken — wie erstarrt — über den Wiesen. Sie warteten nur darauf sich auszuschütten. Untermalt wurde dies von dem stattlichen und imposanten Grollen aus der Luft. Es wirkte bedrohlich und doch wunderschön!

Ich fragte mich für den Bruchteil einer Sekunde, worauf die Wolken bloß warteten. Dann verwarf ich den Gedanken, um lauthals weiter zu singen. Ich war voller Energie. Ich erreichte das Einfahrtstor, öffnete es und für einen kurzen Augenblick wurde ich unruhig, denn es gab noch die weite Einfahrt hinauf zu fahren. Mit meiner Unruhe schwand auch die magische Stille um mich herum und die Antwort auf mein Denken war ein einschneidender, starker Wind der es mir kaum möglich machte auf mein Rad zu steigen.

Ich fasste wieder ruhige Gedanken und stimmte meinen Gesang an und so wurde es auch wieder still um mich. Ich war Zuhause und stieg glücklich vom Fahrrad. Da fiel ein Regentropfen in mein Gesicht. Meine Zellen tanzten, als er meine Haut berührte. Ich schob das Rad in den Schuppen, nahm die Kinder aus dem Anhänger und ging mit Ihnen hinein. Als ich den ersten Fuß ins Haus setzte und mein Gesang endete begann es wie auf Knopfdruck in strömen zu regnen.