Es ist ein früher Morgen im November und ich beginne verträumt in den Tag zu blinzeln, recke mich genüsslich, um mich anschließend noch einmal auf die Seite zu drehen und noch eine Weile weiter zu dösen. Ein plötzliches, dumpfes Klopfen lässt mich ganz wach werden. Ich klettere so vorsichtig wie möglich, um die beiden Mädchen nicht zu wecken, aus dem Bett und gehe zur Treppe. Wieder ein Klopfen an der Tür. Sehr bestimmt und laut. Ich öffne die Tür und da stehen zwei Polizisten, mit der Nachricht, dass die Pferde ausgebrochen sind. Ich wecke meinen Sohn und beauftrage ihn mit dem Rad zu Peter zu fahren, der die letzte Nacht auf unserem wilden Grundstück genächtigt hat, welches mit dem Auto nicht erreichbar ist.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Pferde ausgebrochen sind und von anderen, vergangenen Malen weiß ich mich immer sehr unruhig, alarmiert und besorgt. Doch heute ist das anders. Ich bin total entspannt. Ich fühle mich sogar richtig gut und beflügelt und schicke gedanklich viel Liebe in diese Situation. Es fühlt sich total super an. Peter kommt mit meinem Sohn und sie fahren mit dem Auto und einer Hand voll Möhren los um die Pferde einzufangen. Auch hier werde ich kurz stutzig, denn von zurück liegenden Einfang- Aktionen weiß ich, dass es viel Zeit und Energie, sowie viel Zubehör (Pferdeanhänger, Seile, Bauzaun, Gitter zum Absperren, Halfter) gebraucht hat.

Dieses Mal war alles anders und dass es im Außen alles entspannt, leicht und mühelos ablief wurzelte in meiner eigenen Haltung zu dem Ereignis. Ich war gewiss, dass alles gut ist, schickte der Herde viel Liebe und wusste, dass sie im Handumdrehen wieder auf ihre Weide gelangen sollten. Wenn ihr nun also ein großes, dramatisches Ereignis beim Wiedereinfangen der Pferde erwartet habt, so muss ich euch den Wind diesbezüglich aus den Flügeln nehmen. Denn es war ein ganz ruhiges, friedliches Einfangen und Zurücklotsen der Pferdeherde. Mit einer Hand voll Möhren haben mein Sohn und Peter die gesamte Pferdeherde einfach den Deich entlang, zurück auf ihre wilde Weide gelockt. Und alle sind mit getrottet — ohne Halfter, ohne Stricke, ohne Bauzaun und Absperrungen.

Dieses Erlebnis hat mir gezeigt, dass eine in sich starke Haltung, sowie eine liebevolle Führung essentieller sind, als eine Haltung und Führung mit Druck, Sorgen, Drama, Angst und Stress. Durch unsere eigene, innere Haltung und unsere Gedanken kreieren und formen wir unsere Realität. In der Theorie war mir das schon lange bewusst. Doch dieses Erlebnis hat es mir tief deutlich und erfahrbar gemacht. Wenn wir in der Liebe, in unserer Mitte und ganz bei uns selbst bleiben, so können wir Berge versetzen, Islandpferdeherden bewegen und weitaus Größeres schöpfen. Und dabei sind wir so sehr in unserer Fülle, Schöpferkraft, Freude und in Frieden.

Ich bin aus noch einem anderen Grund sehr dankbar für das Ausbüchsen der Herde. Denn der Kontakt zu den Pferden hat Peter in eine ganz wunderbare, freudige Laune versetzt. Nachdem er den Zaun der gesamten Weide abgelaufen war und ihn an diversen Stellen neu aufstellen musste (Wildschweine haben ihn schon des Öfteren einfach runtergezogen) war er gut gelaunt, wie seit Langem nicht mehr. Das in der Natur und mit den Pferden sein, führt uns zu uns selbst und bringt uns Freude und Verbundenheit.

„Es gibt nur zwei Konzepte, das der Angst und das der Liebe“. — Alphabet